Studienbestand: 
Datenbank AIS Fallstudien
StudyID: 
s0102
Letze Aktualisierung der Studie: 

Die Soziallage der Chemiearbeiter

Projektleitung
Fürstenberg, Friedrich
Beteiligte Mitarbeiter
Bahlo, Siegfried
Bormann, Günther
Gronau, Heint
Gronau, Renate
Trost, Volker
Gefördert durch
"Die Untersuchung wurde im Auftrag des Arbeitsrings der Arbeitgeberverbände der deutschen chemischen Industrie in völliger wissenschaftlicher Unabhängigkeit durchgeführt" (S. 1)
Studienlaufzeit
Planungsphase Oktober 1965 bis Februar 1966, Erhebungsphase Januar bis September 1966, Auswertungsphase September 1966 bis Februar 1968, Veröffentlichung 1969
URL zur Studie
Kurzbeschreibung

Untersuchung über die betriebliche Situation der Chemiearbeiter und ihrer Einstellungsweisen gegenüber den sie bedingenden Faktoren (S. 1); Darstellung der Hypothesen S. 10ff.; Sechs zentrale Untersuchungsbereiche (S. 12f.): 1.) wirtschaftliche, technische und soziale Merkmale der Betriebsstrukturen; 2.) objektive Arbeitssituation und subjektive Arbeitshaltung; 3.) Stellung der Arbeiter im Betriebszusammenhang; 4.) Betriebsbild der Arbeiter; 5.) Anpassungsprobleme und Anpassungshilfen; 6.) Probleme persönlicher Lebensführung. Ziel: Analyse der sozialen Lage der Chemiearbeiter, '(...) wie sie sich in deren Einstellung zu den Problemen ihrer unmittelbaren Arbeitssituation, zur betrieblichen Sozialordnung und zu einigen wichtigen Aspekten ihrer Lebensführung darstellt' (S. 231).

Ziel

Aus einer Analyse der Arbeitsverhältnisse im Bereich der Chemieindustrie lassen sich Rückschlüsse auf die 'allgemeinen Entwicklungstendenzen' ableiten (S. 1).

Theoriebezug
'Grundelemente des verwendeten Bezugsrahmens sind das technisch durch das Effizienzprinzip determinierte betriebliche Arbeitssystem sowie die durch soziale Ordnungsvorstellungen und tatsächliches Sozialverhalten determinierte betriebliche Sozialstruktur' (S. 5f). Bezug auf ältere deutsche und internationale Studien, z.B. Popitz/Bahrdt u.a. 1957, Neuloh (1960), Pirker (1955), Banks (1960), Blauner (1964), Goldthorpe (1968).
Geografischer Bezug
Deutschland
Erhebungszeitraum
Januar bis September 1966
Informationen zur Datenerhebung
Siehe Methodenkapitel S. 17ff: 1.) Erfassung von sozialstatistischen Hintergrunddaten der jeweiligen Betriebe; 2.) Arbeitsplatzbeschreibungen von Betriebsleitern und intensive Arbeitplatzbeobachtungen mit Leitfaden, welche mehrere Monate dauerte; 3.) systematische Arbeiterbefragung durch geschulte Interviewer, die in zwei Phasen in vierteljährlichen Abstand stattfanden (d.h. jeder Arbeiter wurde nach Möglichkeit zweimal befragt) und die nach zwei verschiedenen Leitfäden geführt wurden; Erste Runde: 601 Personen, Zweite Runde: 484; Interviews wurden einzeln im Betrieb in geschlossenen Räumen durchgeführt, dauerten 45- 70 Minuten; 4.) zwei Gruppendiskussionen mit fünf zufällig ausgewählten Arbeitern, welche ca. 30 Minuten dauerten.
Fallzahlen
7 Betriebe
Falldarstellung
Die Betriebe A, B, C, D, E, F, G werden in jedem Kapitel einzeln dargestellt und einzeln ausgewertet. Es werden sehr viele statistische Zahlen und Tabellen im Fließtext verwendet und zusätzlich im Anhang aufgelistet.
Selbstdefinition
Der Begriff "Fallstudie" wird nicht verwendet, sondern "Kontextanalyse" (S. 3)
Auswahl
Chemische Industrie; "Alle in Betracht kommenden Betriebe sollten einen rationalisierten oder automatisierten Betriebsstil aufweisen, in dem maximal 100 Beschäftigte tätig waren, so dass insgesamt etwa 700 Chemiearbeiter von der Untersuchung erfasst werden konnten" (S. 14). Untersuchungsbetriebe streuen nach folgenden Gesichtspunkten: a) Betriebsgrößenklasse, Konzernzugehörigkeit, Einzelunternehmen; b) Arbeitsplatzmobilität der Belegschaft; c) Tempo technologischer Umstellung; d) Alter der Betriebsanlage im eigentlichen Untersuchungsfeld; e) Stellung des Betriebes auf dem regionalen Arbeitsmarkt; f) geografische Lage (S. 15).
Überblick Methoden
Es wird erklärt, warum eine 'Kontextanalyse' durchgeführt wird (S. 3). Auch die dafür verwendeten Methoden und jeweiligen Auswertungsverfahren werden im Methodenkapitel I.2 (S. 13ff.) detailliert erläutert. Auch auf nicht durchgeführte Untersuchungen wie Sprachschatzanalyse wie eingegangen und die Nicht-Durchführung begründet. Die Leitfaden und der Fragebogen befinden sich im Anhang.
Auswertung
Siehe genaue Darstellung S. 22ff.: 1.) sozialstatistische Hintergrunddaten wurden mit Hilfe von ausführlichen Gesprächen mit Fachleuten des jeweiligen Betriebs nach einem Schema ausgewertet (Schema siehe S. 17f); 2.) eine vergleichende Analyse der Arbeitsplatzbeschreibungen war angestrebt, wurde aber nicht fertig gestellt und wird evtl. gesondert veröffentlicht; 3.) Auswertung der Interviews durch Kodierung der Antworten, Übertragung der Kodeziffern auf Lochkarten und Auszählung der Lochkarten mit anschließender statistischer Auswertung mit elektronischer Datenverarbeitung; 4.) die Gruppendiskussionen wurden auf Tonband aufgenommen und qualitativ ausgewertet.
Ergebnisse
Zusammenfassung der Ergebnisse erfolgt auf S. 231ff.: Aus den erhobenen Ergebnissen wird geschlussfolgert, dass die meisten Chemiearbeiter mit ihrem Arbeitsplatz zufrieden sind, Vorgesetzte stehen an erster Stelle als Vertrauensperson bei sachlichen und persönlichen Fragen. "Diese positive Grundhaltung hängt im wesentlichen nicht nur von den Maßnahmen der betrieblichen Sozialpolitik ab, sondern von der Art, wie bisher das Beschäftigungsrisiko der Arbeitnehmer angesichts des technischen Fortschritts tragbar gemacht wurde" (S. 234). Der technische Fortschritt hat dort positive Auswirkungen, wo ein kontinuierlich ablaufender Arbeitsprozeß automatisiert werden konnte. "Die Lebensführung der befragten Chemiearbeiter weist deutlich einen Trend in Richtung des privatisierten, von einer traditionellen proletarischen Subkultur emanzipierten Arbeitnehmers auf. Dementsprechend stark ist der Drang nach einer völlig gleichberechtigten Teilhabe an den Vorteilen eines modernen Lebensstils in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft" (S. 236). Sozialpolitische Forderungen: Übergangsphasen müssen sozial tragbar gestaltet werden, Ansätze zur Herausbildung neuer Qualifikationsstrukturen bewusst aufgegriffen werden, Mitbestimmung sollte durch Abbau von bürokratischen Strukturen verbessert werden. "Schließlich muss versucht werden, eine Diskrepanz zwischen fortgeschrittenem Arbeitssystem und traditioneller sozialer Betriebsstruktur durch eine aktive soziale Betriebspolitik mit dem Ziel der umfassenden Mitarbeiterförderung zu vermeiden" (S. 238).

Datensätze / Materialien

Relevante Publikationen

  • Fürstenberg, Friedrich (1969): Die Soziallage der Chemiearbeiter.
    Berlin: Hermann Luchterhand Verlag