Studienbestand: 
Datenbank AIS Fallstudien
StudyID: 
s0072
Letze Aktualisierung der Studie: 

Produktionsmodernisierung und soziale Risiken. Eine Fallstudie zur Gießereiarbeit

Projektleitung
Braczyk, Hans-Joachim
Beteiligte Mitarbeiter
Gebbert, Christa
Gebbert, Volker
Dr. von dem Knesebeck, Jost-Herneid und von Schwerin, Alexander
Grüneberg, Ulrich
Schmidt, Gert
Gefördert durch
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Studienlaufzeit
April 1977 - Oktober 1979
URL zur Studie
Kurzbeschreibung

Konzentration auf folgende Gegenstandsbereiche: '1.) Die betriebliche Arbeitskräfteeinsatzpolitik in dem Doppelsinn normativer Interessensetzung und der Normierung von Rollenerwartungen. 2.) Das technisch-organisatorische System des Produktionsprozesses als Institutionalisierung von Arbeitsstrukturen. 3.) Die Bewertung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen durch die Arbeitnehmer' (S. 9).

Ziel

Humanisierung von Arbeit; Studie konzipiert als sozialwissenschaftliche Begleitstudie zu einem Arbeitshumanisierungsprojekt in einer Gießerei (S. 7).

Theoriebezug
Arbeitseinsatz (Weltz 1974); in Bezug dazu Risikotypen 'Verkaufsrisiko, Gratifikationsrisiko, Qualifikations- bzw. Qualifizierungsrisiko und Verschleißrisiko' (Böhle/Altmann 1972); Kern/Schuhmann (1970); eigene theoretische Vorüberlegungen zu technisch-organisatorischen Systemen und deren Dimensionen (Zeit-, Sach-, Sozialdimension).
Geografischer Bezug
Deutschland
Erhebungszeitraum
1977-1979
Informationen zur Datenerhebung
1.) Expertengespräche: mehrere Gespräche mit vorbereiteten Gesprächsleitfäden mit Vertretern der Unternehmens- und Werksleitung, des mittleren und unteren Management und des Betriebsrates; Expertengespräche mit externen Vertretern anderer Gießereien und Verbände zur Informationsaufnahme allgemeiner spezifischer Probleme des Arbeitskrafteinsatzes in Gießereien keine Angabe über Anzahl der Gespräche (S. 25); 2.) Dokumentenanalyse: Unterlagen zur Rekonstruktion von Merkmalen der Beschäftigungsentwicklung (Verweildauer, Alter der Beschäftigten, Personalstärke von Abteilungen, Fehlzeiten, Unfallmeldebögen, etc.) (S. 26); 3.) systematische Beobachtungen: Ergänzung zu 1. und 2. um Prozessmerkmale des Produktionsablaufes im Hinblick auf Strukturrekonstruktion zu erfassen (S. 26); 4.) Gruppendiskussion: mehrere Gruppendiskussionen zu verschiedenen Zeitpunkten des Projektes; Teilnehmer: Betriebsräte, Vertrauensleute, Meister, Arbeitnehmer aus identischen Arbeitsbereichen. (S. 26); 5.) Interviews: erste Erhebungsphase wurde mit einem Gesprächsleitfaden verwirklicht; explorative Erhebung zur Hypothesenbildung (S. 26); zweite und dritte Erhebungsphase: Verwendung standardisierter Instrumente; erste und zweite Befragung dienten der Hypothesenbildung, dritte Befragung war "Materialgrundlage für die Darstellung der Reaktionen der Befragten auf die technisch-organisatorischen Veränderungen" (S. 27); 6.) Samplestruktur: Mitglieder der Stammbelegschaft; kaum Ausländer vertreten; um Verzerrungen zu vermeiden wurden 23 weitere Probanden aufgenommen; trotzdem konnte "eine repräsentative Auswahl (..) nicht erreicht werden", da die Fluktuation während der Untersuchung stieg. Die Ersterhebung beinhaltete 35 Personen; Abschlusserhebung 43 Personen (S. 27ff.).
Fallzahlen
Ein Untersuchungsbetrieb = ein Fall
Falldarstellung
Verwendung von Tabellen bei Befunden und Interpretationen (z.B. vgl. S. 124ff.); Auszüge aus Interviews (z.B. vgl. S. 164); Darstellung der Samplestruktur bzgl. Alter, Beschäftigungsdauer und Nationalität (S. 28f.), sowie Charakteristika des Betriebes (S. 33ff.).
Selbstdefinition
Titel bezieht sich bereits auf "Fallstudie"; die Autoren bezeichnen das Projekt als "qualitative Fallstudie" (S. 25)
Auswahl
Metallverarbeitendes Unternehmen (Gießerei)
Überblick Methoden
Das Methodenkapitel (Kap I B) beschreibt sehr genau die verwendeten Erhebungsmethoden; Reflektiert werden dabei die beiden - nach Meinung der Autoren - wichtigsten Arten: Gruppendiskussion und Interviews (S. 26); darüber hinaus wird die Samplestruktur diskutiert und erläutert, inwiefern die Repräsentativität gelitten hat; nicht realisierte Interviews werden ebenfalls deutlich dargestellt, sowie die Schnittmenge von Erst- und Abschlussbefragung um den Verzicht von statistischen Auswertungsverfahren zu begründen (S. 29); Begründung der Verwendung von qualitativen Fallstudien: 'Abgesehen davon, dass die Rahmen- und Durchführungsbedingungen eine andere Analogie gar nicht zuließen, muss auch betont werden, dass Fallanalysen in der Industriesoziologie üblich und auch der Komplexität von Prozessen technisch-organisatorischer Veränderungen angemessen sind' (S.25).
Auswertung
Keine weiteren Informationen über den Umgang mit den Interviews; häufig Unterlegung der Argumentation mit Interviewteilen (z.B. vgl. S. 164); Erhebung der Arbeitsplatzbedingungen mit Polaritätsprofilen, im "vorher - nachher" Vergleich; Häufigkeitsauszählungen zu Arbeitsplatzbelastungen (z.B. vgl. S. 124 ff.).
Ergebnisse
Darstellung und Interpretation der Befunde in zusammenfassenden Kapiteln (IIIC, IVC, VC); 1.) die alte und ehemals erfolgreich praktizierte betriebliche Arbeitskräftepolitik ist an ihre Grenzen gestoßen (S. 175); 2.) Interventionsanforderungen sind je nach analytischer Betrachtungsebene (Sach-, Zeit-, Sozialdimension) unterschiedlich; insbesondere die Änderungen in der Zeitdimension sind sehr stark ausgeprägt; funktionale Ausdifferenzierung reduziert funktionale Abhängigkeiten in den einzelnen Abteilungen (S. 118); Interpretation als Wandel der "Tauschrelation" zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber (S. 119); 3.) Humanisierungstendenzen in der Bewertung der Befragten: Arbeitsplatzbedingungen haben sich verbessert, nur Lärmbelastung hat sich verschlimmert; unmittelbare Arbeitsbelastung hat sich enorm verschlechtert (höheres Tempo, höhere nervliche Anspannung, nur geringe Besserung der körperlichen Beanspruchung) (S. 124 f.), Bewertung variiert aber nach Tätigkeit (S. 177).

Datensätze / Materialien

Relevante Publikationen

  • Braczyk, Hans-Joachim (1981): Produktionsmodernisierung und soziale Risiken. Eine Fallstudie zur Gießereiarbeit.
    Frankfurt: Campus